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Wann erfolgte erstmals eine Beurteilung der Kreditwürdigkeit und wie funktioniert sie?

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September 8, 2022 | Jonathan Pryer

Wie Kreditwürdigkeit bisher beurteilt wurde

Wenn wir uns mit Finanzdienstleistungen beschäftigen, begegnen uns häufig die Begriffe Kreditwürdigkeit und Kreditauskunft. Aber wann wurden Kreditscores erfunden, und wie funktioniert die Kreditauskunft für Verbraucher? Wir haben für Sie einen sachlichen Leitfaden zu allen Fragen rund um Kreditscores zusammengestellt. Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr über:

Kreditscores und Auskunfteien: Ihre Entstehungsgeschichte

Kreditscores gibt es so, wie wir sie heute kennen, erst seit ein paar Jahrzehnten. Die Ursprünge der Kreditauskunft liegen jedoch schon im frühen 19. Jahrhundert. Bereits damals versuchten die Kreditgeber für Unternehmen die Kreditwürdigkeit ihrer potentiellen Geschäftskunden zu bewerten, um das Risiko einer Kreditvergabe einschätzen zu können. Die allerersten Kreditauskunfteien (Unternehmen wie die heutige TransUnion und Equifax) hatten ihren Ursprung in lokalen Händlervereinigungen. Sie sammelten ganz einfach verschiedene Daten über die Finanzen und die Identität der möglichen Kreditnehmer und verkauften diese Daten an die Kreditgeber. Anfangs konzentrierten sie sich hauptsächlich auf kommerzielle/geschäftliche Darlehen für Unternehmen, die zur Aufnahme ihres Geschäftsbetriebs oder für ihr Wachstum eine Finanzierung benötigten. Die ersten Kreditauskunfteien in den Vereinigten Staaten waren R.G. Dun & Co und die Bradstreet Company (Randbemerkung: klingt vertraut? Im Jahr 1933 fusionierten die beiden Unternehmen und im Jahr 1939 entstand daraus Dun & Bradstreet Inc.). Sie entwickelten ein alphanumerisches Bewertungsverfahren, mit dem sich die Risikofaktoren in den Anträgen kommerzieller Darlehensnehmer ermitteln ließen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden neue Auskunfteien gegründet, die eher unserem heutigen Bild dieser Agenturen entsprechen. Später nahm sich der Handel ein Beispiel an den kommerziellen Darlehensgebern und offerierte den Kunden nun auch seinerseits Verbraucherkredite. Diese Händler beschäftigten eigene Kreditbearbeiter, deren Aufgabe es war, die Kreditwürdigkeit der Antragsteller zu beurteilen. Im Jahr 1912 gründeten sie schließlich einen landesweiten Verband zur „Entwicklung eines Standardverfahrens für das Erfassen, Teilen und Kodifizieren von Informationen über Kreditnehmer im Einzelhandel“.

In den folgenden Jahren entstanden mit Equifax, TransUnion und Experian die drei größten Auskunfteien der USA. Während der 70er und 80er Jahre arbeiteten diese gemeinsam an der Entwicklung einheitlicher Kriterien für Verfahren zur Kreditauskunft und suchten nach einer unvoreingenommenen, in höherem Maße automatisierten Möglichkeit zur Beurteilungen der Kreditwürdigkeit.

Kreditscore vs. Kreditauskunft

Was ist ein Kreditscore eigentlich? Und wie wird er berechnet? Und was ist der Unterschied zwischen einem Kreditscore und einer Kreditauskunft?

Eine Kreditauskunft ist der erste Schritt. Als detaillierter Überblick über Ihre bisherigen finanziellen Transaktionen und über Ihren Finanzstatus enthält eine Kreditauskunft alle wichtigen Informationen, angefangen bei Ihren persönlichen Daten (Name, Adresse, Geburtsdatum) bis hin zu einer Übersicht Ihrer Verbraucherkredite (Kreditkarten, Kreditlimit, Autofinanzierung, Hypotheken). Hierzu kommen noch Informationen zu „Anfragen“ (d. h. Daten zu den Unternehmen, die eine Kreditauskunft über Sie eingeholt haben, um Ihnen Angebote zu neuen Kreditprodukten zu machen oder Vorabgenehmigungen für Upsells usw.). Anschließend wird der Kreditscore  anhand dieser Daten berechnet. Dieser besteht in der Regel aus drei Ziffern (auf regionale Unterschiede kommen wir später zu sprechen), anhand derer der potentielle Darlehensgeber sofort erkennen kann, wie kreditwürdig er ist. In Nordamerika gilt, je höher die Zahl, desto geringer die Gefahr für den Darlehensgeber und umso größer Ihre Chance bei der Beantragung eines Kredits. In Deutschland ist es in der Regel andersherum.

Allerdings sind auch herkömmliche Kreditscoring-Systeme nicht ohne Fehler. Oft berücksichtigen sie keine zusätzlichen Faktoren, die ebenfalls für das Kreditrisiko entscheidend sein können (d. h. die meisten Kreditauskünfte beinhalten heute keine Daten zu Mietzahlungen, obwohl diese ein sehr präziser Indikator dafür sein können, wie zuverlässig jemand seine Schulden begleicht). Außerdem kann es zu einer deutlichen zeitlichen Verzögerung zwischen den Aktivitäten einer Person und dem Abrufen der Kreditauskunft bzw. des Kreditscores kommen – in Echtzeit vorliegende Daten sind viel wertvoller (und präziser), wenn es um die Beurteilung des Kreditrisikos einer Person geht.

Wie funktionieren Kreditscores nun wirklich? Unter Verwendung einer mathematischen Formel und anhand der Angaben in der detaillierten Kreditauskunft können potentielle Darlehensgeber einen Kreditscore erstellen, dank dessen sie sofort die Kreditwürdigkeit einer Person einschätzen können. Ergibt die Beurteilung der Kreditwürdigkeit einen hohen Score, bedeutet dies, dass a) diese Person mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Schulden bzw. einen gewährten Kredit zurückzahlt und sie b) ihre Schulden pünktlich und gemäß der vereinbarten Bedingungen begleicht. Je besser die Kreditwürdigkeit ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Kreditgeber , dieser Person weitere Kreditprodukte anbieten werden, beispielsweise neue Kreditkarten, Autokredite, Hypotheken und Verbraucherkredite. Abgesehen davon erhält eine Person umso bessere Bedingungen, je höher ihre Bewertung ausfällt, beispielsweise flexible Tilgungspläne und niedrigere Zinsraten. Wenn jemandem jedoch erst mal eine niedrige Beurteilung der Kreditwürdigkeit hat, läuft diese Person Gefahr, keine Kredite mehr zu bekommen oder höhere Zinsen für einen aufgenommenen Kredit akzeptieren zu müssen.

Berechnung des eigenen Kreditscores

In den USA zählt der FICO-Score (Fair, Issac and Company) zu den bekanntesten Kredit-Scores. Tatsächlich nutzen „90 % der führenden Kreditgeber in den USA den FICO-Score für die Risikobewertung“. Diese erstmals im Jahr 1989 verwendete und aus drei Ziffern bestehende Kennzahl wird anhand der Informationen berechnet, die sich in der Kreditauskunft einer Person finden, die von einer der drei größten Auskunfteien erstellt wurde. Zur Berechnung der Kreditwürdigkeit verwendet FICO im Wesentlichen fünf Faktoren, wobei die verschiedenen Kategorien unterschiedlich gewichtet werden. (Andere Kreditscores werden ähnlich berechnet, haben aber möglicherweise eine andere Gewichtung der Hauptfaktoren.)

Bei dem FICO-Score handelt es sich um folgende Faktoren:

  • Zahlungsverhalten (35 %)
  • Sollsalden/Kreditnutzung (30 %)
  • Dauer der Kredithistorie/Alter der Konten (15 %)
  • Zusammensetzung der Kredite (10 %)
  • Letzte Kreditaktivitäten und neue Konten/neue Kreditanfragen (10 %)

Beurteilung der Kreditwürdigkeit weltweit

Trotz der Dominanz der drei größten US-amerikanischen Auskunfteien gibt es regionale Unterschiede, was die Modelle zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit und die Verwendung des Kreditscores angeht. Zwar nutzt jede Region die gleichen grundlegenden Prinzipien zur Bewertung der Kredithistorie einer Person, um deren Kreditwürdigkeit zu ermitteln, doch im Hinblick auf die Ausführung dieser Beurteilung gibt es durchaus Abweichungen. Die wichtigsten Unterschiede der Verfahren zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit beziehen sich auf folgende Punkte:

  • Wie lange bestimmte Daten in Ihrer Kreditauskunft verbleiben
  • Wer Informationen zu Ihrer Kreditauskunft beisteuern kann
  • Wie viele Auskunfteien in einer bestimmten Region bzw. in einem Land existieren
  • Ob es sich bei diesen Auskunfteien um gewerbliche oder nicht-gewerbliche Organisationen handelt (und in wessen Besitz sich diese befinden)
  • Ob Kreditgeber verpflichtet sind, Ihre Kreditauskunft und/oder Kreditbewertung zur Bestimmung Ihres Risikos zu verwenden

Im Folgenden finden Sie einige Beispiele zur unterschiedlichen Vorgehensweise bei der Kreditwürdigkeitsprüfung in unterschiedlichen Regionen:

  • Vereinigte Staaten – Kreditgeber leiten die Daten zu Ihrer finanziellen Situation sowie zu Ihrer Kreditgeschichte und bisherigen Transaktionen an eine der drei größten Auskunfteien weiter (Equifax, Experian und TransUnion) – diese erstellen entweder selbst eine Kreditbewertung oder übermitteln die Kreditauskunft an Unternehmen wie FICO, die anschließend eine FICO-Bewertung berechnen.
  • Kanada – In Kanada ist das Verfahren ähnlich wie in den USA, doch dort wird Experian nicht als Auskunftei verwendet und die Obergrenze für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit liegt bei 900 und nicht bei 850.
  • Großbritannien – In Großbritannien gibt es drei große Auskunfteien – Equifax, Experian und Callcredit (Noddle) – die aber alle ihre Beurteilungen der Kreditwürdigkeit unterschiedlich ermitteln.
  • Frankreich – Offiziell existieren in Frankreich keine Auskunfteien; stattdessen werden die Kreditscores von Bank zu Bank erstellt, sind aber nicht auf andere Kreditinstitute übertragbar.
  • Niederlande – In den Niederlanden gibt es mit Krediet Registratie (BKR) nur eine einzige Auskunftei, der Personen gemeldet werden, die ihre Schulden nicht zurückzahlen.
  • Deutschland – Die wichtigste Kreditauskunftei, die SCHUFA, ist ein privates Unternehmen, das Konten, unbezahlte Schulden, Kredite und alle Zahlungsrückstände verfolgt. Ihr SCHUFA-Score sinkt (was positiv ist), wenn Sie finanzielle Erfahrungen sammeln und Schulden abbezahlen.
  • Australien – In Australien sind vier Auskunfteien tätig (Equifax, Dun and Bradstreet, Experian und der Tasmanian Collection Service).
  • Indien – In Indien gibt es eine offizielle Kreditauskunftei, Credit Bureau Information India (CIBIL), die ein Partner von TransUnion ist.
  • Japan – In Japan gibt es kein offizielles System zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Sie wird einfach vom jeweiligen Kreditgeber bestimmt, was es für Ausländer extrem schwer macht,  einen Kredit zu erhalten.

Welchen Einfluss hat die Beurteilung der Kreditwürdigkeit auf Verbraucherkredite?

Mit einer „guten“ oder „hervorragenden“ Kreditwürdigkeit sparen sich die meisten Menschen im Laufe Ihres Lebens tausende von Dollar. Bei einer hervorragenden Kreditwürdigkeit erhalten Sie bei allen Arten von Krediten bessere Zinsen und Zahlungsbedingungen, beispielsweise bei Hypotheken, Autokrediten und auch bei Kreditkarten oder auch beim Kreditrahmen – eigentlich bei allem, für das Sie eine Finanzierung benötigen. Mit einer besseren Kreditwürdigkeit gelten Sie als Kunde mit geringem Risiko und daher sind mehr Banken und Kreditgeber daran interessiert, Sie mit attraktiven Zinsen, Gebühren und anderen Vorteilen als Kunde zu gewinnen. Auf der anderen Seite bedeutet dies, dass jemand mit einer schlechten Kreditwürdigkeit als hohes Risiko gesehen wird. Diese Person bekommt daher weniger günstige Kreditbedingungen angeboten (vor allem höhere Zinsen) oder erhält gar keinen Zugang zu Krediten. Abgesehen vom Zugang zu Krediten können Personen mit einer schlechten Bonität eventuell auch Probleme haben, eine Mietwohnung zu finden, ein Auto zu mieten oder eine Lebensversicherung abzuschließen.

Kreditgeber verwenden Kreditscores als Teil ihres Risikoentscheidungsprozesses, um die Kreditwürdigkeit eines potenziellen Privat- oder Geschäftskunden zu bestimmen.Daher kann ein positiver oder negativer Kreditscore durchaus weitreichende Folgen haben – und er kann sich unglaublich lange halten, insbesondere wenn in der Kreditauskunft eventuelle Zahlungsausfälle oder ein Zahlungsverzug vermerkt sind. 

Ein Teil des Problems ist hierbei, dass einer Beurteilung der Kreditwürdigkeit oft verzerrte Annahmen zugrunde liegen können. Dies hat große Auswirkungen  auf den fairen Zugang verschiedener Bevölkerungsgruppen zu Krediten. So verfügen beispielsweise viele Einwanderer nicht über eine formelle Kredithistorie. Keine Kredithistorie = niedrige Kreditwürdigkeit. Eine niedrige Kreditwürdigkeit bedeutet, dass diese Menschen nur schwer Zugang zu Kreditprodukten erhalten und daher keine Kreditauskunft/-kreditwürdigkeit aufbauen können. Dies hat zur Folge, dass sie gezwungen sind, ungünstige Bedingungen mit Wucherzinsen zu akzeptieren und geraten dadurch in Schwierigkeiten, diese Schulden wieder zurückzuzahlen. Was wiederum natürlich negative Folgen für ihre Kreditauskunft hat.

Alternative Daten für finanzielle Inklusion

Das Beispiel oben ist für unsere globalisierte Gesellschaft nicht unüblich – überall auf der Welt gibt es zahllose eingewanderte Bevölkerungsgruppen und noch Millionen weitere, die keinen Zugang zu offiziellen Finanzdienstleistungen haben. Es gibt viele Bezeichnungen für jene, die nicht über eine herkömmliche Kredithistorie verfügen – Menschen mit nur sehr wenigen Referenzen (thin-filed), „kreditunsichtbare“ Personen oder Personen mit einem nur eingeschränkten Zugang zu Finanzinstituten (unbanked oder underbanked) – aber im Grunde genommen sind damit alle gemeint, deren offizielle Kredithistorie/Kreditauskunft keine Einträge enthält, anhand derer ein Kreditscore generiert werden könnte. Zu den Menschen ohne Zugang zu offiziellen Krediten zählen laut Schätzungen ungefähr 62 Millionen Amerikaner, 200 Millionen Menschen in Lateinamerika und 3,6 Millionen in Asien. Ein Drittel aller Erwachsener weltweit (bis zu 1,7 Milliarden Menschen) besitzt kein Bankkonto.

Wie können Kreditgeber auch für jene einen fairen Zugang zu Krediten sicherstellen, die keine formelle Kredithistorie aufweisen, ohne ihre bisherige Strategie zur Risikobewertung aufzugeben? Eine Möglichkeit besteht in der Verwendung alternativer Daten. Hierzu zählen viele Informationen, die in der Regel nicht für eine herkömmliche Beurteilung der Kreditwürdigkeit herangezogen werden wie Telekommunikationsdaten, Zahlungsdaten zu Mieten und Versorgerabrechnungen, Informationen zur Präsenz in sozialen Medien oder dem Web und auch Reisedaten sowie Informationen zu Open Banking.

Da diese Daten meist nicht in eine herkömmliche Kreditauskunft Eingang finden (und damit in die Beurteilung der Kreditwürdigkeit), enthalten sie oft verzerrte Annahmen zu Ungunsten bestimmter Bevölkerungsminderheiten. Die im Rahmen der FICO-Bewertung berücksichtigten Daten (z. B. Zahlungsverhalten, Dauer der Kredithistorie usw.) werden oft durch den über Generationen weitergegebenen Reichtum und das Vererben hoher Vermögenswerte wie Immobilien beeinflusst (d. h. Daten zu Hypotheken fließen in die Beurteilung Ihrer Kreditwürdigkeit ein, Mietzahlungen normalerweise nicht). „Gegen Ende 2020 lag der Anteil von Hausbesitzern beim afroamerikanischen Bevölkerungsanteil bei 44 %, während er bei nicht-hispanischen, weißen Kunden einen Prozentsatz von 74,5 % erreichte. Da die Modelle zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit nur die Hypothekenzahlungen von Hauseigentümern berücksichtigen und bisherige Mietzahlungen ignorieren, sind afroamerikanische Kunden auch hier wieder im Nachteil, obwohl beide Zahlungstypen in die gleiche Kategorie „Wohnen“ fallen.“ Die Ergänzung traditioneller Verfahren zur Beurteilungen der Kreditwürdigkeit um alternative Daten stellt sicher, dass diese Benachteiligung ein Ende hat und gewährleistet eine finanzielle Inklusion.

Mithilfe alternativer Daten lässt sich ein umfassenderer Überblick über die finanzielle Stabilität (das gegenwärtige und das künftige Potential) von Kunden gewinnen. Zudem erhöhen sie die Genauigkeit und verbessern sogar den Schutz vor Betrug, da sie moderne Verfahren zur Identitätsverifizierung und der KYC-Prozesse umfassen. Eine präzisere Kreditbewertung bietet Kreditgebern mehr Sicherheit bei der Erschließung des Marktes, ohne dabei eine höheres Risiko eingehen zu müssen. Zudem bietet sie Menschen, die noch keine Bankverbindung haben bzw. deren Daten noch nicht vorliegen einen Zugang zu Krediten und die Möglichkeit, auf sichere Weise eine Kreditwürdigkeit aufzubauen. 87 % der Kreditgeber, die alternative Daten nutzen, nutzen diese um Kunden mit nur wenigen oder gar keinen Referenzen genau bewerten zu können, und 64 % der Darlehensgeber verbessern auf diese Weise ihre Risikobewertung von Kunden ohne Konto.

Abgesehen von einzelnen Kreditgebern, die auf alternative Datenquellen zurückgreifen, bieten einige Auskunfteien jetzt Möglichkeiten zur Verbesserung der Kreditwürdigkeit von Verbrauchern mit dünnen Akten an:

  • Experian Boost – erhebt Finanzdaten, die normalerweise nicht in einer Kreditauskunft zu finden sind (d. h. Abrechnungen von Strom- und Gasanbietern sowie Kontobewegungen), die zur Berechnung des Experian FICO-Scores herangezogen werden.
  • UltraFICO – ein kostenloses Programm, das bisherige Kontobewegungen für die Erstellung eines FICO-Scores nutzt und dabei auch Faktoren wie pünktliche Bezahlung von Rechnungen, Kontoüberziehungen und Ersparnisse berücksichtigt.
  • Berichte zu Mietzahlungen – neue Services zur Erfassung von Daten zu Mietzahlungen, die in Ihrem Auftrag an Auskunfteien weitergegeben werden.

So verbessern Sie Ihre Kreditwürdigkeit

Falls Ihre Kreditwürdigkeit bisher nicht optimal war, ist das kein Grund zu verzweifeln. Sie können Maßnahmen ergreifen, um Ihren Score im Laufe der Zeit zu verbessern:

  • Bezahlen Sie Ihre Rechnungen pünktlich und zwar immer. Dies umfasst alle Verpflichtungen wie Hypothekenzahlungen und Autokredite bis hin zu Kreditkartenabrechnungen und die Bezahlung Ihrer Versorger- und Mobilfunkrechnungen.
  • Nutzen Sie Ihren Dispokredit möglichst selten. Für die Beurteilung Ihrer Kreditwürdigkeit wird auch berücksichtigt, wie häufig Sie Ihren Dispokredit nutzen (der Ihnen jederzeit zur Verfügung steht). Gleich nach dem Zahlungsverhalten ist die Nutzung des Dispokredits der zweitwichtigste Faktor bei der Berechnung Ihres Kreditscores. Streben Sie eine Kreditauslastung von höchstens 30 % an, um Ihre Kreditwürdigkeit zu erhalten, und zahlen Sie Ihre Kreditkartenabrechnung jeden Monat pünktlich und möglichst in einem Betrag. (Bonus-Tipp mit schneller Wirkung: bitten Sie Ihre Kreditkartengesellschaft Ihr Kreditlimit ein wenig zu erhöhen, um dadurch Ihre Schuldenquote zu senken.)
  • Beantragen Sie nicht zu viele Kredite. Die Beantragung neuer Kredite beginnt mit einer „harten Abfrage“ (dazu zählen die Beantragung neuer Kreditkarten, Hypotheken, Autokredite – zu viele auf einmal können Ihre Kreditwürdigkeit belasten). Revolvierende Kredite (regelmäßige Schließung alter Konten und Eröffnung neuer Konten) wirken sich ebenfalls negativ auf Ihre Kreditwürdigkeit aus. Außerdem wird bei der Kreditwürdigkeitsprüfung berücksichtigt, wie lange Sie Ihre Kreditkonten schon haben – behalten Sie Ihre alten Konten und lassen Sie Ihre alten Kreditkarten aktiv, aber kümmern Sie sich um alle Inkassofälle oder überfälligen Konten. Wenn Sie viele Schulden auf verschiedenen Konten haben, sollten Sie eine Konsolidierung Ihrer Kredite in Erwägung ziehen, wodurch Sie nur einmal tilgen müssen und möglicherweise einen niedrigeren Zinssatz erhalten.
  • Melden Sie sich bei einem Kreditüberwachungsdienst an. Diese Dienste können Sie vor betrügerischem Verhalten auf Ihrem Profil warnen und Ihnen helfen, Ihre Kreditwürdigkeit auf dem neuesten Stand zu halten. Häufig geben sie spezielle Tipps zur Verbesserung Ihres Bonitätscores.

Natürlich haben Kreditauskünfte und Kreditscores einen erheblichen Einfluss auf Ihre Möglichkeiten, Zugang zu Krediten zu erhalten. Mit der Weiterentwicklung der Finanzdienstleistungsbranche gibt es jedoch immer mehr innovative Möglichkeiten, die Kreditwürdigkeit zu bestimmen, einschließlich der Integration alternativer Daten, der Implementierung moderner Lösungen für die Risikobewertung und der Verwendung genauerer Vorhersagemodelle mit künstlicher Intelligenz. Außerdem gibt es jetzt vielfältigere Möglichkeiten, Zugang zu Kredit- und Finanzdienstleistungsprodukten zu erhalten, darunter die Weiterentwicklung von „Buy now, pay later“-Lösungen (BNPL) sowie Neobanken und Fintechs, die einen neuen Ansatz für Kreditprodukte verfolgen.

Wie können Sie als Kreditgeber sicherstellen, dass sich die Geschichte der Kreditwürdigkeitsprüfung in eine ganzheitlichere, genauere und umfassendere Richtung weiterentwickelt? Entdecken Sie, wie eine einheitliche Entscheidungsplattform und der einfache Zugriff auf eine Vielzahl von Datenquellen Ihnen dabei helfen können, mehr Menschen eine Zusage zu geben, ohne Ihr Risiko zu erhöhen.

Literaturhinweis:

15 Companies Changing the Landscape of BNPL: https://www.provenir.com/resources/blog/15-companies-changing-the-landscape-of-buy-now-pay-later/

The Long, Twisted History of Your Credit Score – Time Magazine: https://time.com/3961676/history-credit-scores/

A History of Credit Scores – point.app: https://www.point.app/article/a-history-of-credit-scores-when-did-they-become-a-thing

The Fair Credit Reporting Act (FCRA) – Investopedia: https://www.investopedia.com/terms/f/fair-credit-reporting-act-fcra.asp